
Hüseyin Celebi wurde 1967 als erstes Kind einer aus Dersim stammenden Familie, in Hamburg geboren. Eine Familie, die nach dem Massaker in Dersim, im Jahre 1938, zur Flucht gezwungen war. Zunächst in Zentralanatolien, später in Istanbul, fand die Familie schließlich Jahre später Zuflucht in Deutschland. Das Verhältnis zu seinem patriotischen Vater war in seiner Kindheit sehr prägend und brachte ihn früh in Kontakt mit der Politik und anderen gesellschaftlichen Prozessen.
Im Jahre 1974, im Alter von nur 7 Jahren, nahm Hüseyin Celebi, gemeinsam mit seinem Vater und einem Bekannten der Familie, an seiner ersten Demonstration teil, welche sich gegen die Massaker des Saddam Regimes gegenüber dem kurdischen Volk richtete. Diese Demonstration war zur selben Zeit auch die aller erste kurdische Demonstration in der Bundesrepublik Deutschland. Wahrscheinlich war es seine größte Besonderheit, einen rebellischen Charakter zu besitzen und zu jeder Zeit, an jedem Ort gegen Ungerechtigkeiten jeglicher Art zu kämpfen, sich gegen sie zu wehren und ihnen stets entgegen zu treten. Mit seinem, im Laufe der Jahre angesammelten Wissen bezüglich der Politik, scheute er sich nicht vor entsprechenden Debatten und Diskussionen.
Die Feststellung: Ich werde unterdrückt
Am Anfang seiner politischen Laufbahn schloss sich Hüseyin zunächst der SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend), nachher der Jugendorganisation der SPD, den Jusos (Jungsozialisten) an. Nachdem er sich immer mehr mit der Lage seines eigenen Volkes beschäftigte, brachten ihn die Umstände, in denen er sich befand dazu, sich der türkischen Linken anzuschließen und die Problematik der sogenannten Kurdenfrage, auf dieser Ebene zu diskutieren. Aber Hüseyin konzentrierte sich keineswegs nur auf die Probleme des kurdischen Volkes. Er war Internationalist, beschäftigte sich mit Lateinamerika, Afrika und allen unterdrückten Völkern dieser Erde. Dazu sagte er einmal „Es spielt keine Rolle, ob ich Kurde, Türke oder Chinese bin. Wichtig ist nur, dass ich unterdrückt werde.“
Mitte der 80er Jahre legte er dann seinen Fokus zunehmend auf die kurdische Freiheitsbewegung und wurde 1985 zum ersten Mal festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt. In dem darauf folgenden Jahr brach er sein Sozialpädagogikstudium an der Fachoberschule in Düsseldorf ab und widmete sich ganz der politischen Arbeit. Mit Ausdauer und unermüdlicher Hoffnung arbeitete er - auch in der Redaktion des Kurdistan Reports - täglich und oft die Nächte hindurch, um Bewegung in die Geschichte seines Volkes zu bringen und auch, um etwas im erstarrten Deutschland zu bewegen.
Celebi als Politischer Gefangene im Isolationshaft
Im Februar 1988 wurde er mit 20 Weiteren Aktivist*innen erneut festgenommen und unter dem Vorwurf des Terrorismus inhaftiert. Sein Widerstandsgeist konnte aber auch im Gefängnis nicht gebrochen werden und so hörte er nicht auf nach einer gerechten Lösung der kurdischen Frage zu kämpfen. Zwei Jahre verbrachte er in den Isolationstrakten deutscher Gefängnisse. Von Anfang an sagte er voraus, dass der Prozess wie ein Luftballon platzen würde, was - zwar nicht mit einem Knall, aber doch nach und nach geschah.
Hüseyin war neugierig, offen und sprühte vor Humor so sehr, dass sich viele fragten, wie ein Mensch, der so viel Schweres erlebt hatte, in allem, was geschah immer noch die komische Seite sehen konnte. Das heißt aber nicht, dass er nicht verwundbar war: er litt unter der ständigen Observation, unter der Schnüffelei der deutschen Behörden in seinem täglichen Leben, er litt unter dem Rassismus der Richter und Staatsanwälte, der Polizei und der Medien. Nachdem sein Haftbefehl aufgehoben war, war es für ihn kaum möglich, auf offener Straße einen Schritt zu tun. Vor verschlossenen Türen blieb er stehen, als warte er auf den Wärter, der ihm aufschließen sollte. Hüseyin machte nie einen Hehl aus seiner politischen Meinung, jede Art von Geheimnistuerei lehnte er ab und lachte darüber. Mit der gleichen Offenheit konnte er die eigenen Fehler, die er in seiner früh begonnenen politischen Laufbahn gemacht hatte, zugeben und sich darüber amüsieren. Es gab viele Seiten an Hüseyin zu entdecken. Er konnte träumen wie es Lenin schon formuliert hatte: wenn sich der Traum als Illusion herausstellte, konnte er ihn mühelos verwerfen. Aber er tat alles für seine Verwirklichung, wenn er gespürt hatte, dass der Traum authentisch war.
Einer der mitbegründer der YXK
Nach der Entlassung, im Frühjahr 1990, widmete er sich erneut den Tätigkeiten und gründete u.a. die Vereinigung „Freundinnen und Freunde des kurdischen Volkes” mit. Im Dezember 1991 gründete er zusammen mit 74 weiteren Genoss*innen, aus 16 deutschen Hochschulen, den Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK), welche sich bis heute aktiv für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft einsetzt und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die gesetzten gesellschaftlichen Strukturen zu thematisieren und kritisch zu hinterfragen.
Gefallen für Kurdistan in Kurdistan
Im Sommer 1991 ging er nach Kurdistan, er hatte sich für den Guerillakampf entschieden. Etwa ein Jahr später, im Oktober 1992, kam er bei einem Angriff einer Peschmerga-Einheit, die mit der türkischen Armee kollaborierte, auf die ARGK (Volksbefreiungsarmee Kurdistans), in der Region Haftanin ums Leben. Es ist eine Tragödie, dass sein kurzes Leben, welches er voll und ganz der Freiheit des kurdischen Volkes widmete, sein jähes Ende mit der Kugel eines Kurden fand.
Zusammen mit den Märtyrerinnen Zekiye Alkan und Rahsan Demirel, die sich beide aus Protest gegen den Vernichtungskrieg des türkischen Staates gegenüber der kurdischen Bevölkerung selbst verbrannten, ernannte der Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) Hüseyin Celebi zum Ehrenmitglied des Verbandes.
Hüseyins Tod ist ein großer Verlust für alle, die ihn kannten. Viele teilen ihren Schmerz und erfahren doch hoffentlich auch Hüseyins große Kraft, die in ihnen weiterlebt.