Von Werbeslogans aus den 1950er Jahren wie,“ Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen? Was soll ich kochen?“ zu sich entblößenden FEMEN-Aktivistinnen, prägten unterschiedliche Frauenbilder unsere Gesellschaft. 

Als perfekte Hausfrau und Mutter porträtiert, liest die Frau von damals ihrem Mann jeden Wunsch von den Lippen ab und widmet nahezu all ihre Zeit seiner Zufriedenheit. Als Zeichen seiner Anerkennung darf sie gelegentlich eine Auszeit nehmen, um hübsche Kleider einzukaufen, in denen er sie natürlich attraktiv finden wird.


Karriere oder Familie

Anfang des 20. Jahrhunderts erweckte das schließlich erteilte Wahlrecht, das nicht Allen galt, den Anschein einer Revolutionierung der Stellung der Frau. Mit dem neu erworbenen Wahlrecht sollte die Scheinrevolution ihr Ende noch nicht gefunden haben. Das darauffolgende Recht auf Erwerbstätigkeit war zwar ein weiterer Schritt in Richtung Emanzipation, verleitete jedoch die Gesellschaft dazu ein neues Stigma, der not good enough mother zu entwickeln, indem Frauen, die mit ihren Fähigkeiten in ihrem Beruf immer weiter aufstiegen nun als Rabenmutter und karrierefixiert betitelt wurden. Dadurch wurde die Frau in ein Dilemma zwischen Karriere- und Familienmanagement gedrängt. 

Seit dem 20. Jahrhundert anhaltend entfielen benachteiligende Normen aus den Gesetzbüchern und die Gleichberechtigung wurde mit Artikel 3 des Grundgesetzes etabliert. Der gesetzlich verankerte Wandel manifestierte sich in einer neuen sittlichen Grundlage.

Aber wie sieht die eben beschriebene voranschreitende Emanzipation heute aus?

Es fängt bei der Trennung der Nabelschnur an. Sobald das neugeborene Mädchen das Licht der Welt erblickt, wird sie in eine rosane Decke gewickelt und bekommt ein gleichfarbiges Armband, damit jedem Außenstehenden das Geschlecht des Säuglings erkenntlich wird. Kaum ist die Neugeborene auf der Welt, wird sie in ihre gendertypische Rolle gedrängt. Mit Barbies und Puppen heranwachsend verfestigen sich soziale Anforderungen und Erwartungen an das kleine Mädchen und sie internalisiert Schritt für Schritt geschlechterspezifische Normen und Werte. Darüber hinaus werden kleinen Mädchen in sehr jungen Jahren frauliche Attribute vorgeschrieben, sodass bereits die Kindheit durch die Übersexualisierung überschattet wird. Insbesondere unkontrollierte mediale Einflüsse prägen Schönheits- und Selbstbilder der Mädchen und jungen Frauen. 


Das Schönheitsparadoxon 

So werden sie in jungen Jahren mit unrealistischen Schönheitsstandards konfrontiert. Dementsprechend durchleben Kinder bereits im jungen Alter die Verunsicherung bezüglich ihres äußeren Erscheinungsbildes und zwingen diese auch anderen kleinen Mädchen auf, wodurch das verzerrte Selbstbild der Frau, welches von der Modeindustrie vorangetrieben wird, seinen Anfang nimmt. Die Spitze des Eisbergs bilden die Misswahlen für kleine Mädchen, wo Mütter ihre Kinder unvorstellbaren Strapazen aussetzen. Von Spraytan bis hin zu gewachsten Augenbrauen werden die Mädchen nach einer Beautytortur in spärlicher Kleidung zur Präsentation nicht altersgerechte Tanznummern genötigt. Dass speziell kindliche Unschuld in unserer Gesellschaft sexualisiert wird, ist daran zu erkennen, dass Hollywoodsternchen von Britney Spears bis Ariana Grande sich genau diese Merkmale zu Eigen machen, um sich besonders verführerisch und unschuldig in Szene zu setzen. All diese Faktoren führen dazu, dass Mädchen sich im Kindesalter mit erwachsenen Stars identifizieren und im Zuge der Nacheiferung dem Konsumwahn verfallen. So besitzen schon junge Mädchen mehr als zu viel Make-up und die neusten Modekollektionen.

Dass all diese negative Einwirkung Früchte trägt, zeigt sich explizit daran, dass knapp 90% der getätigten Schönheitsoperationen in der Regel Frauen über sich ergehen lassen, um dem Mainstreamschönheitsideal näher zu kommen. So wird insbesondere von jungen Frauen erwartet jede erdenkliche Prozedur durchzumachen, um den gesellschaftlichen Schönheitsanforderungen gerecht zu werden aber gleichzeitig verurteilt die Gesellschaft eben diese Frauen. Sie werden als unnatürlich, unsicher und eitel deklariert. Dies lässt sich als Manifestation paradoxer gesellschaftlicher Forderungen an die junge Frau kodifizieren. 


Rosa-rote Unterdrückung

Lassen sich die eben beschriebenen Entwicklungen tatsächlich noch als einen Fortschritt in der Geschichte der Emanzipation bezeichnen?

Nein! Im Verlauf der Geschichte dominierten zu bestimmten Perioden gewisse Trends. Das, was der westliche Mainstream heute als eine befreite Frau bezeichnet, insbesondere im Kontrast zu der Frau aus dem Orient, ist nichts weiter als eine, im Zuge dieses Trends entstandene, hübschere Verpackung der Unterdrückung der Frau. Die Frauenbereifung wurde auf die Nacktheit der Frau reduziert und dazu instrumentalisiert, dass eben diese Frauen zu ihrer eigenen Übersexualisierung beitragen. Die Frau hat das Gefühl, frei zu sein und denkt, dass sie die höchstmögliche Emanzipationsstufe erreicht hat. So werden beispielsweise Gendergaps, in der Arbeitswelt, in Sachen Lohnungleichheit und Aufstiegschancen gebilligt. Ebenso ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, genauso wie im Alltag, als eine Folge der Übersexualisierung anzusehen und „rührt daher, dass die hierarchisch-etatistische Gesellschaft die Frau als erstes Objekt einer Stratifikation auf die unterste Stufe gestellt hat.“, (A. Öcalan: Jenseits von Staat, Macht und Gewalt 2010 S. 144).